Die Wahlen in Paraguay

Die Wahlen in Paraguay

Beitragvon Matthias38 » Samstag 29. März 2008, 16:16

Hallo zusammen,
nun ist es halt bald soweit das ein neuer Machthaber in Paraguay gewählt wird.
Wie sieht es denn aus, wer wird das Rennen machen, wer ist der beste führs Land.
Was meint Ihr denn dazu gerade wurde mir mitgeteilt das Lugo immer noch sehr gut im Rennen liegt.

Mit sehr freundlichen Grüßen!

Matthias Bergstaedt
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Beitragvon Matthias38 » Donnerstag 3. April 2008, 12:10

Hier habe ich gerade einen Artikel gefunden über Lugo der Bericht stammt von Helmut Hackfort.


Ein Ex-Bischof als linker Hoffnungsträger
Auch in Paraguay entwickelt sich eine linke Alternative
von Helmut Hackfort

Paraguay gehörte bisher nicht zu den Ländern Lateinamerikas, die als Hochburgen der Linken galten. Die linken Parteien waren zersplittert und fast ausschließlich auf die Hauptstadt Asunción beschränkt. Auf dem Land gab es allenthalben bäuerlichen Widerstand, der jedoch überwiegend lokal agierte und lange keine gesamtgesellschaftlichen Perspektiven entwickeln konnte. Doch nun ist auch in Paraguay etwas in Bewegung gekommen.

Unter der 36-jährigen Diktatur Alfredo Stroessners (1954 bis 1989) hatten sich in Paraguay große, gut organisierte politische Bewegungen entwickelt. Hier sind besonders die bäuerlichen Ligas Agrarias zu erwähnen, die in den siebziger Jahren große Teil der Landbevölkerung erreichten. In brutalen Säuberungsaktionen wurden die Ligas in den Jahren 1975 bis 1978 stark dezimiert bzw. zerschlagen. Dabei bediente sich die Diktatur derselben Methoden, die die Militärs in jener Epoche auch in anderen Ländern Südamerikas praktizierten: Verschwundene, Gefolterte, Ermordete, Ausgewiesene, Deportierte, Geflüchtete waren die Folge. In dem in den neunziger Jahren gefundenen „Horrorarchiv“ hatten die Schergen der Diktatur selbst ihre Machenschaften und Gewalttaten dokumentiert.

Nachdem der gemeinsame Feind, General Alfredo Stroessner, 1989 von General Rodríguez gestürzt worden war und auch in Paraguay eine Demokratisierungsphase begann, gründeten sich unzählige lokale, regionale und nationale Bauern- und Landlosenorganisationen. Im Augenblick bestehen auf nationaler Ebene drei Dachverbände. Obwohl die Zahl der linksorientierten Arbeiter- und Bauernbewegungen sowie ihre Mobilisierungskraft beachtlich sind, verfügen sie doch kaum über die Erfahrung, diese auch in Wahlerfolge münden zu lassen. Die linken Parteien andererseits, die sich hauptsächlich in der Hauptstadt konzentrieren, haben keine attraktiven Konzepte und treten eher durch ihr Kompetenzgerangel in Erscheinung. Die vergangenen Wahlen haben den Anteil der LinkswählerInnen in die Bedeutungslosigkeit von unter einem Prozent sinken lassen.

Dies könnte sich nun ändern, da Fernando Lugo, Ex-Bischof von San Pedro im Norden Paraguays, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2008 angekündigt hat. Fernando Lugo ist kein Unbekannter. Zehn Jahre unterhielt er in seiner Diözese enge Beziehungen zu den Bauern- und Landlosenorganisationen und unterstützte ihre Forderungen u.a. nach Land, Bildung und Gesundheitsversorgung. Nach eigenen Aussagen ist Bischof Lugo aus gesundheitlichen Gründen von seinem Bischofsamt zurückgetreten, obwohl es ein offenes Geheimnis ist, dass die allmächtigen Verbände der Bauern und Großgrundbesitzer und die erzkonservative Hierarchie der katholischen Kirche diesen Schritt veranlasst haben. Fernando Lugo hat die Konsequenzen gezogen und sein Priester- und Bischofsamt an den Nagel gehängt, um sich einer politischen Bewegung anzuschließen, die sich nicht weniger vorgenommen hat, als der Korruption der jetzigen Regierung und ihren ständigen Verletzungen der Verfassung bei den nächsten Wahlen 2008 ein Ende zu bereiten.

Bereits im April 2006 gab es in der Hauptstadt eine Demonstration gegen das Ansinnen des amtierenden Präsidenten Nicanor Duarte Frutos, die Verfassung dahingehend zu ändern, dass er 2008 noch einmal antreten kann, was nach der bisherigen Gesetzeslage nicht möglich ist. Zu der Demonstration kamen viel mehr Menschen, als von den Organisatoren erwartet. Der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Bischof Lugo war der Hauptredner. Mit dieser Massendemonstration war faktisch eine Bewegung ins Leben gerufen geworden, die Paraguay aus der Serie unfähiger und korrupter Regierungen ausbrechen lassen könnte, die die unterernährte Bevölkerung, die Menschen ohne Arbeit, ohne Land, ohne Bildungsmöglichkeiten, ohne Krankenhäuser, ohne Medikamente aus dem Würgegriff der Superreichen und der ihr verpflichteten Regierungen befreien will. Bischof Lugo, der seiner christlichen Verantwortung, sich für die Armen und Unterdrückten einzusetzen, treu geblieben ist, hat sich an die Spitze der Bewegung gestellt.

Es scheint, dass die sozialen Bewegungen Paraguays, obwohl noch uneins und zersplittert, die Basis sind, auf die sich Lugo stützen kann. Die Basisgruppen der katholischen Kirche, die sich bis heute an der Befreiungstheologie und an den Dokumenten der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz von Medellín orientieren, werden ebenfalls zu Lugo stehen. Weitere Unterstützer von Lugo werden die Gewerkschaften, die sozialen Organisationen und viele Nichtregierungsorganisationen sein, die sich zu einem Dachverband, der „Sozialen Front“, zusammengeschlossen haben. Die kleinen linken Parteien der Hauptstadt werden Lugo ebenfalls unterstützen. Obwohl sich so schon eine recht hoffnungsvolle Perspektive auftut, legt Fernando Lugo selbst Wert auf die Feststellung, dass sein erstes Interesse einer „Nationalen Vereinbarung“ gilt, in der die Interessengegensätze der unterschiedlichen Gruppen überwunden werden müssen.

Von der ersten Protestdemonstration Ende April 2006 bis heute haben Fernando Lugo und seine AnhängerInnen die Hände nicht in den Schoß gelegt, sondern tatkräftig eine Unterstützerbewegung aufgebaut. Führende Kräfte der Linken und der sozialen Organisationen der Campesinos/as, Gewerkschaften, LehrerInnen und Indígenas, gründeten am 15. Dezember 2006 die Volksbewegung Tekojoja (1), mit dem Ziel, die Präsidentschaftskandidatur für Bischof Lugo im Jahr 2008 vorbereitend zu unterstützen. An der Gründungsversammlung nahmen 1717 Leute teil. Nach langen und hitzigen Debatten wurde die Grundsatzerklärung der Bewegung verabschiedet, in der sich die Organisation als demokratisch-sozialistisch definiert. Die Beteiligung aller Gesellschaftsschichten wird angestrebt. Jeweils zwei VertreterInnen der Regierungsbezirke Central, Misiones, Guairá, Amanbay, Canindeyú, San Pedro und Asunción stellen das nationale Leitungsteam.

Die Reaktion der Weltpolizei ließ nicht lange auf sich warten, und ihre Botschaft in Asunción verkündete Anfang Januar 2007, dass sie ausführlichere Informationen über die Pläne, Absichten und Ansichten von Fernando Lugo erwarte. Immerhin sind die Statthalter der Weltmacht bemüht, ihre Irritation nur auf der Ebene diplomatischen Geplänkels zum Ausdruck zu bringen und dabei zu betonen, sich nicht in persönliche Entscheidungen einmischen zu wollen. Ein Sprecher der Botschaft: „Was wir letztlich wünschen, ist die Demokratie in Paraguay. Fernando Lugo will in die Politik eintreten, er wird sein Projekt und seine Ansichten über die Zukunft des Landes vorstellen, wir erwarten Einzelheiten.“

Wie nicht anders zu erwarten, bekam Fernando Lugo schnell heftigen Gegenwind sowohl von Regierungspolitikern wie von der traditionellen Opposition zu spüren. Beide sehen in Lugo einen ernst zu nehmenden Konkurrenten, der möglichst schon im Vorfeld der Wahlen im Jahr 2008 zur Strecke gebracht werden muss. Die abstrusesten Argumente werden aufgeführt, um Lugo zu diffamieren und den ehemaligen Bischof als ungeeignet für eine Präsidentschaftskandidatur hinzustellen. „Die paraguayische Gesellschaft muss bedenken, dass auch Luzifer der Engelschar im Himmel angehörte, ehe er sich von Gott abwandte unter dem Vorwand, ein besseres Reich zu errichten. Luzifer nahm aber alle seine Anhänger mit in die Hölle“, so der Abgeordnete der regierenden Coloradopartei Maciel Passotti in kühner Vereinnahmung der Bibel.

Dazu die Gegenrede von Alcibíades Delvalle in der Tageszeitung „abc-color“: „Die paraguayische Gesellschaft ist intelligenter, als es ein Abgeordneter wahrhaben will. Sie weiß nämlich, dass Lugo auch als Bischof ein Mensch und kein Engel war. Lugo hat sich nicht von Gott abgewandt. Sollte Lugo aber die Fähigkeit entwickeln, ein besseres Paraguay zu errichten, könnten Millionen Paraguayer die Hölle des Elends und der Ausgrenzung verlassen.“ Alle Politiker der Regierung, der Regierungspartei und der traditionellen Opposition, die bei einem Wahlsieg Lugos viel zu verlieren haben, werden nicht nachlassen bei der Suche nach Themen für denunziatorische Angriffe. Nach Liebschaften und daraus hervorgegangenen Kindern wird ebenso fieberhaft gesucht wie nach Verbindungen Lugos zu bewaffneten Revolutionären wie z. B. der FARC in Kolumbien. Fernando Lugos weltanschauliche Äußerungen werden genutzt, um ihn zum radikalen Linken zu stempeln. Derlei Verleumdungsmethoden folgen der „bewährten“ Traditionslinie der Diktatur Stroessners und seiner Colorado-Partei, die ja auch seit Stroessners Sturz weiterhin die Regierungen stellte.

Fernando Lugo hat sich auf den langen und riskanten Weg gemacht, dem Wunsch einer breiten Mehrheit der Bevölkerung nach einem tiefen und nachhaltigen Wandel in der Situation Paraguays nachzukommen. Seine Kandidatur rüttelt eine von der „Demokratie à la Paraguay“ enttäuschte Bevölkerung auf, trägt möglicherweise dazu bei, sie davor zu bewahren, vollends in Perspektivlosigkeit und Resignation zu versinken. So bestehen berechtigte Hoffnungen, dass Paraguay sich in die Reihe der lateinamerikanischen Länder einreiht, die auf die soziale Misere in ihren Ländern eine politische Antwort suchen.

Helmut Hackfort ist seit langem in der Paraguay-Arbeitsgemeinschaft (PAG) aktiv.

(1) Tekojoja ist das Wort für "Festhalten am Brauchtum", "Festhalten an der Überlieferung", aus dem Guaraní, einer der beiden Amtssprachen Paraguays, und ist auch der Eigenname eines Dorfes, das im Juni 2005 von Brasilianern brutal angegriffen und verwüstet wurde, die genetisch veränderte Soja anbauen und bei dem Überfall von paraguayischer Polizei und Militärs unterstützt wurden. Die indigene Gemeinde Tekojoja war eine derjenigen, denen während der paraguayischen Agrarreform Landtitel verliehen worden waren, die danach aber immer wieder von Großgrundbesitzern bedroht wurde. Vgl. http://www.rebelion.org/noticia.php?id=17613)

Die Satzung der Tekojoja (Auszüge)

Ökonomie: Unsere Bewegung fordert eine sofortige Neuordnung der Produktionsverhältnisse und eine gerechte Verteilung des erwirtschafteten gesellschaftlichen Reichtums, an dem alle sozialen Gruppen teilhaben sollen. Die Ungleichheit, das soziale Elend und die Ausgrenzung der Mehrheit der Bevölkerung müssen beendet werden. Wir verurteilen jede Form von Ausbeutung des Menschen, weil diese große Teile der Gesellschaft von der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung ausschließt. Die aktive Beteiligung des Staates am Wirtschaftsleben ist notwendig bei der Produktion von Gütern, bei den Dienstleistungen sowie bei der Regulierung der Wirtschaftsaktivitäten. Den Reichtum des Landes ausnahmslos allen Menschen des Landes zur Verfügung zu stellen, ist eine weitere Aufgabe des Staates. Der private Sektor darf nur unter der strikten Kontrolle der Gesellschaft und des Staates agieren, um eine gerechte Verteilung der Güter, die gesellschaftliche Entwicklung und das Wohlergehen der Menschen zu garantieren.

Sozialpolitik: Wir fordern eine Garantie aller sozialen und individuellen Rechte, die für die Entwicklung und die Sicherheit eines Individuums notwendig sind: Erziehung, Gesundheit, eine menschenwürdige Arbeit, Wohnraum sowie soziale Sicherheit in ihren vielfältigen Aspekten. Wir fordern weitestgehende Freiheiten für die Organisation von sozialen Gruppen zur Durchsetzung ihrer aktuellen und ihrer übergreifenden gesellschaftlichen Interessen. Konsequenterweise lehnen wir jede Art von Paternalismus ab in der festen Überzeugung, dass die sozialen Kräfte aus eigener Kraft in der Lage sind, ihre Interessen zu vertreten. Wir sind der festen Überzeugung, dass das Solidaritätsprinzip die sozialen Beziehungen innerhalb der ausgegrenzten und verarmten Mehrheit unserer Gesellschaft immer noch bestimmt. Wir sind uns allerdings auch bewusst, dass das Schicksal von Teilen der arbeitenden Bevölkerung auf dem Land und in der Stadt substantiell nur im Rahmen von gesamtgesellschaftlichen Veränderungen verbessert werden kann, die dann allen zugute kommen.

Umwelt: Wir fordern die bestmögliche Wiederherstellung, den Schutz und die Bewahrung der natürlichen Güter: Land, Wasser, Luft, Energie, biologische Vielfalt, Wälder, Grundwasser, Bodenschätze sowie den Schutz aller für Mensch und Tier lebenswichtigen natürlichen Ressourcen. Die jetzige systematische Zerstörungspraxis führt zur Vernichtung von Tieren und Pflanzen von unschätzbarem Wert und zerstört die Umwelt. Die Natur wird ausschließlich zum kurzfristigen Nutzen einer privilegierten Minderheit ausgebeutet, zum Schaden von Mensch und Tier heute und in Zukunft. Die Einführung eines landwirtschaftlichen Produktionssystems, das die Selbstversorgung des Landes und den Erhalt der Artenvielfalt garantiert, ist von größter Wichtigkeit. Sowohl die Vielfalt der Pflanzenarten durch die Nutzung regionaler Samen als auch die Kontrolle der Agrargifte bei der Schädlingsbekämpfung und bei der künstlichen Düngung sind hierbei besonders zu berücksichtigen. Was das Ökosystem zerstört, muss eingestellt werden, so z. B. der Anbau von genmanipulierter Soja in Monokulturen, der Mensch und Natur schädigt.

Geschlechterverhältnis: Wir fordern die Gleichberechtigung der Geschlechter bei Respektierung der Unterschiede zwischen Mann und Frau. Die Gleichberechtigung der Geschlechter muss Ausgangspunkt für den Aufbau einer toleranten Gesellschaft sein. Wir müssen die ungerechtfertigten Diskriminierungen, unter denen die Frauen aktuell leiden, abschaffen und eine gleichberechtigte Teilnahme der Frau in allen Bereichen des politischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Lebens fördern. Das Patriarchat wurde zum Modell des sozialen Zusammenlebens, indem es die „männlichen“ Werte wie Autonomie, Kompetenz, Aggressivität und Erfolg hervorhob und förderte, aber die für die Existenz der Menschheit so wichtigen „weiblichen“ Werte wie Kooperation, Solidarität, Großzügigkeit und Beziehungspflege gering achtete. Eine wirklich humane Gesellschaft setzt das Gleichgewicht zwischen beiden Geschlechtern und ihre gegenseitige Ergänzung voraus.

Rechte der Minderheiten: Wir vertreten den vorbehaltlosen Respekt gegenüber allen sozialen, ethnischen, sexuellen und religiösen Minderheiten. Allen gebührt die Anerkennung ihrer legitimen Rechte sowie die weitestgehende Freiheit bei der Verfolgung ihrer Interessen. Religiöse, ethnische und sexuelle Diskriminierung hat ihre Ursache in Auffassungen, die auf Intoleranz in unserem Zusammenleben basieren. Das Toleranzprinzip erfordert dagegen ein Recht auf Vielseitigkeit und Unterschiedlichkeit.

Indigene Völker: Wir treten dafür ein, alle Rechte der indigenen Völker verfassungsgemäß zu garantieren. Wir anerkennen, dass die indigenen Völker schon vor der Staatsbildung Paraguays existierten. Wir unterstützen die Anstrengungen der indigenen Völker, die Kontrolle ihrer Institutionen und Lebensformen in die eigene Hand zu nehmen, ihre ökonomische Entwicklung, ihre Identität, ihre Sprachen und Religionen zu erhalten und zu stärken. Wir fordern auch das Recht dieser Völker ein, in absoluter Gleichheit an allen Rechten und Möglichkeiten, die die nationale Gesetzgebung den anderen Mitgliedern der Gesellschaft einräumt, teilzuhaben. Wir anerkennen weiterhin die besondere Wichtigkeit, die die traditionellen Lebensräume für die Produktionsweisen, die Kulturen und die spirituellen Werte indigener Völker hatten, und unterstützen deren Kampf um die Wiedererlangung dieser Lebensräume.

Kultur: Wir fordern die unumstößliche Anerkennung des Rechts der verschiedenen Völker der paraguayischen Nation, die jeweils eigenen kulturellen Werte zu erhalten und zu entwickeln und sich miteinander auszutauschen, ohne die eigene Identität zu verlieren. Wir verteidigen und fördern die uneingeschränkte Wertschätzung unserer Kultur und hier insbesondere unserer Sprache Guaraní auf allen Ebenen, um auch auf diesem Wege solidarische und zufriedenstellende Formen des sozialen Zusammenlebens zu entwickeln. Die Entwicklung aller kulturellen Ausdrucksformen muss auf der Grundlage einer kostenlosen, ganzheitlichen und umfassend freiheitlichen Erziehung gefördert und demokratisiert werden.
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Beitragvon oli » Donnerstag 3. April 2008, 15:26

typisch deutscher Artikel eines missionarischen Weltverbesserers, der versucht die Realitaet eines Landes, das er wahrscheinlich nicht mal kennt, in seine ideologische Welt zu pressen.

Im Gegensatz zu dem, was der Autor hofft, versucht Lugo mit allen Mittel zu vermeiden als "Linker" betrachtet zu werden. Ausserdem ist Tekojoja nicht gleich Lugo, sondern Lugo wird von einem Parteienbuendnis unterstuetzt, das auch extrem konservative und "neoliberale" Kraefte enthaelt. Die Linken werden kaum mehr als 20% bekommen, und das sind alles Stimmen gegen Nicanor- und bestimmt nicht fuer "eine linke Alternative" (an so einen Unfug glauben vielleicht eine handvoll universitarios die hoechstens 5% der Population ausmacht).

Ich persoenlich sehe Lugo als sowohl als Chance als auch als Risiko fuers Land. Meiner Meinung nach ist er der einzige Kandidat, der die verkrusteten Strukturen aufbrechen kann, und ich halte es fuer aeusserst unwahrscheinlich, dass er eine "sozialistische" Politik vertreiben wird. Wohl eher eine zentristische auf Ausgleich bedachte. Das Risiko ist, dass seine Regierung schwach sein wird- ohne Parlamentsmehrheit und aus ideologisch eigentlich unvereinbaren Parteien zusammengesetzt.

Die Wahl wird sicherlich ein Kopf-an Kopf Rennen. Will mal hoffen, dass sich das Chaos dann in Grenzen halten wird.

Gruss
oli.
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Beitragvon Kampftiger » Donnerstag 3. April 2008, 15:52

Sehe ich genauso wie oli. Wir haben heute die Nachricht bekommen, dass es besser wäre Haus und Grundstück, einen Tag vor der Wahl und bis zu zwei Tage nach der Wahl, nicht zu verlassen. Gewinnen die Colorados, wird man sagen das es Wahlbetrug war, gewinnt Lugo, werden sich das die Colorados nicht gefallen lassen. Unruhen sind also so oder so programmiert.... Da kann ich mich nur oli anschließen mit der Hoffnung, dass das Chaos nicht so schlimm wird......!

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Beitragvon Claudia » Freitag 4. April 2008, 02:38

Unserer Meinung nach ist diese ganz Wahl eine Farce.

Der jetzige President hat seine Kandidatin durchgedrückt mit allen verfügbaren Mitteln und so wird es weitergehen.

Wir wissen inzwischen sehr gut, wo der Knopf am TV zum ausstellen ist, wenn bestimmte Leute reden.

Es ist sehr traurig für Paraguay, aber wir Ausländer können nichts dran ändern,dürfen nicht mal wählen.

Die einzelnen Kandidaten kommen hier im Chaco in die Indianersiedlungen und versprechen ihnen das Blaue vom Himmel runter, spendieren ihnen einen Ochsen und sagen :"Wenn ihr uns wählt, dann bekommt ihr den jeden Monat!" Tja, da unsere Nativos wie Kinder sind, glauben sie das halt, glauben dem ,der am meisten springen lässt. War schon immer so, bei jeder Wahl.

Demokratie --- nun ja :(
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Beitragvon Kampftiger » Freitag 4. April 2008, 13:29

Claudia hat geschrieben:

Demokratie --- nun ja :(


Hallo Claudia,

die Demokratie ist eine Regierungsform, in der die Reichen alle die Rechte haben, die den Armen garantiert sind......

...oder wie George Bernard Shaw gesagt hat:

Demokratie ist die Wahl durch die beschränkte Mehrheit anstelle der Ernennung durch die bestechliche Minderheit. :?

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Beitragvon Matthias38 » Sonntag 20. April 2008, 20:34

Hallo zusammen wie mir gerade von meiner Freundin mitgeteilt wurde liegt Lugo wirklich vorn.
Leider sind aber auch schon die ersten Gewalttaten und Kämpfe eingetreten.
Hoffen wir mal das beste.

Mit sehr freundlichen Grüßen!

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Beitragvon Matthias38 » Sonntag 20. April 2008, 21:26

Hier ein aktueller Bericht.




Wahl in Paraguay: Situation angespannt - Ausschreitungen befürchtet Veröffentlicht: 20. April 2008 um 15:12h | Aktualisiert: 20. April 2008 um 15:22h
Abgelegt unter: Brasil - WebNews, Südamerika | Gelesen: 15 · heute: 15
Gekaufte Ausweise, ungültige Stimmzettel, Einschüchterungen - die Liste der Manipulationsversuche bei der heutigen Präsidentschaftswahl in Paraguay ist lang. Vor wenigen Minuten teilte dies die NGO Transparencia Paraguay in einem Zwischenbericht mit. Viel Neues hatte der Bericht jedoch nicht aufzuweisen, die meisten Zwischenfälle wurden bereits von den Medien dokumentiert. In vielen Wahllokalen sind Kamerateams vor Ort, Liveschaltungen und Telefoninterviews informieren die Bevölkerung seit mittlerweile 6 Stunden kontinuierlich über das aktuelle Geschehen vor Ort.

Bereits am frühen Morgen wurden mehrere Personen beim Versuch verhaftet, von anderen Wählern Identitätsausweise zu kaufen um nochmals die Stimme abgeben zu können. Die Täter zahlen dabei für einen Ausweis rund 15 Euro - viel Geld für eine arme Familie in Paraguay. An anderen Stellen wurden Stimmzettel angenommen, ohne die Wähler in den entsprechenden Listen unterschreiben zu lassen. Bei der Auszählung werden diese dann ungültig. Desweiteren wurde festgestellt, dass viele Wähler nach Sichtung der langen Schlangen wieder nach Hause gingen, ohne ihre Stimme abgegeben zu haben. Ob hier Absicht oder blosse Unwissenheit und Unerfahrenheit seitens der Wahlhelfer in Bezug auf die Wahlfehler und Verzögerungen vorlag, ist bislang nicht bekannt.

Nach letzten Umfragen liegt die Kandidatin der ANR, Blanca Ovelar, rund 5 Prozent hinter ihrem Konkurrenten, dem Ex-Bischof Fernando Lugo von der APC. Dieser könnte nach 61 Jahren ununterbrochener Colorado-Regierung nun einen Machtwechsel im seit 1989 demokratischen Paraguay einläuten. Experten gehen jedoch inzwischen davon aus, dass es unabhängig vom Wahlausgang in der kommenden Nacht zu Zusammenstössen zwischen Anhängern der unterschiedlichen Parteien kommen wird. 12.000 Polizisten verrichten derzeit landesweit in den Wahllokalen ihren Dienst, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Und weitere Spezialeinheiten wurden für den Ernstfall in Bereitschaft versetzt.



Vor der obersten Wahlbehörde in Asunción wurden inzwischen Wasserwerfer aufgefahren (Foto: abc.com.py)Dies bestätigt auch die Vorgehensweise der Polizeikräfte, die mit mehreren dutzend Männern bewaffnet mit Helmen, Schildern und Knüppeln vor einem Wahllokal eine Menschenmenge auseinander trieb. Und auch vor der obersten Wahlbehörde des Landes sind Sicherheitskräfte aufgezogen, mehrere Wasserwerfer wurden postiert und der Verkehr auf der stark frequentierten Strasse unterbunden. Bei vielen scheinen die Nerven blank zu liegen, auch wenn die Fernsehbilder noch einen geordneten Ablauf zeigen. Jeder kleine Verstoss, wie das gemeinsame Betreten einer Wahlkabine wird mittlerweile angezeigt und sorgt für Unruhe und Diskussionen. Selbst die Parteien gingen heute morgen schon in die Offensive und kündigten rechtliche Massnahmen gegen Tageszeitungen und andere Parteien an.

Am auffälligsten sind derzeit jedoch die vermutlich von oben befohlenen Einschüchterungsversuche seitens der Anhänger der Regierungspartei Colorado (ANR). Gut organisierte Kommandogruppen haben sich in einigen Städten und Wahlkreisen vor den Eingängen derjenigen Wahllokale postiert, bei denen nur unzureichende Polizeipräsenz vorhanden ist. Wähler mussten teilweise von Anhängern der Oppositionsparteien bis zu den Wahlurnen begleitet werden. Die Bedrohungen sind jedoch nur eine Fortsetzung der Übergriffe in den letzten Wochen, bei denen es in der Hauptstadt Asunción zu gewaltsamen Ausschreitungen kam. Schlägertrupps, die eindeutig der ANR zuzuordnen waren, hatten dabei Sympathisanten anderer Parteien auf Kundgebungen angegriffen. Aber auch bei Autos mit “falschem” Aufklebern wurden Scheiben eingeschlagen oder Reifen zerstochen.

brasilblog Magazin Special: Präsidentschaftswahl in Paraguay
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Beitragvon Matthias38 » Sonntag 20. April 2008, 22:30

ACHTUNG! DIESER ARTIKEL WIRD STÄNDIG AKTUALISIERT!!!!

Nach der 1. Hochrechnung von 17 Uhr Ortszeit (18h BRT | 23h MESZ) in der Tageszeitung ABCcolor hat Fernando Lugo die Präsidentschaftswahlen gewonnen und löst mit seiner Allianz für den Wandel die seit 61 Jahren regierende Colorado-Partei ab.

Liste 1 (ANR | Blanca Ovelar): 37 %
Liste 6 (PDC | Fernando Lugo): 43.37 %
Liste 7 (UNACE | Lino Oviedo): 16.4 %
Liste 8 (PPQ | Pedro Fadul): 3.1 %
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Beitragvon Mirrardor » Sonntag 20. April 2008, 23:18

SEGUN RESULTADOS OFICIALES
17:52
Fernando Lugo gana la Presidencia

El ex obispo Fernando Lugo gana por más de cuatro puntos las elecciones generales celebradas este domingo, según la Transmisión Rápida de Resultados Extraoficiales (TREP) del Tribunal Superior de Justicia Electoral (TSJE).



Es scheint festzustehen !

Gruß

Mirrardor (Abgemeldet)


quelle:abc-color
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Beitragvon Kampftiger » Sonntag 20. April 2008, 23:43

Fernando Lugo gana la Presidencia

El ex obispo Fernando Lugo gana por más de cuatro puntos las elecciones generales celebradas este domingo, según la Transmisión Rápida de Resultados Extraoficiales (TREP) del Tribunal Superior de Justicia Electoral (TSJE).

De acuerdo a los datos preliminares del organismo electoral, el ex clérigo obtiene 36,5 por ciento de los votos, la colorada Blanca Ovelar obtiene 34,8 por ciento de los sufragios y Lino Oviedo logra el 22,4% de las votaciones.

Las boca de urna de los diferentes medios informativos locales dieron como ganador a Fernando Lugo por varios puntos frente los demás candidatos.

Quelle: ABC Color

Danach hat Lugo bis jetzt 35,6 %

Blanca Ovelar 34,8 %

und der ex General 22,4 %

Das Fernsehen hat genau das gleiche gebracht. Außerdem soll noch heute das vorläufige amtliche Endergebnis, wenn mind. 92% ausgezählt sind, bekannt gegeben werden.

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Beitragvon bittersweet » Montag 21. April 2008, 06:34

"angespannte situation...massive ausschreitungen"

wiedermal die allseits bekannte (deutsche) panikmache;genauso wie ein etwas stärkeres gewitter und einige schneeflocken zu winterbeginn eine "naturkatastrophe" in deutschland sind...

wir haben den ganzen abend die fernsehberichte verfolgt.die wahl lief völlig korrekt und friedlich ab und die leute feierten auf der palma,als das ergebnis feststand.auch die auftritte der "verlierer",was und wie sie es sagten,war eine lehrstunde für demokratie für einige westliche staaten.ich bin stolz auf paraguay und wünsche lugo,dem parlamentarium und allen py-ern,die mit ihm gemeinsam eine menschlichere zukunft für py aufbauen wollen,kraft,durchsetzungsvermögen und weitblick.das land brauchte die veränderung dringend.
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Beitragvon oli » Montag 21. April 2008, 08:27

Gottseidank ein klares Ergebnis. Das schlimmste waere ein Kopf-an-Kopf Rennen mit anschliessenden Chaos gewesen.
Da wollen wir mal sehen, was der Lugo macht (und ob er am 15. August noch lebt). Dieser Regierungswechsel ist wirklich historisch. Es die einzige Moeglichkeit, dass sich in dem Land was aendert. Grossartige politische Fortschritte erwarte ich von Lugo keine, dazu wird seine Regierung viel zu schwach sein.
Aber: Es kann die fatalistische Stimmung im Land aendern. Wenn die Grundstimmung vom negativen ins positive schwenkt, waere viel gewonnen. Das alleine koennte schon einen „positiven Dominoeffekt“ ausloesen. Als Beispiel: Mal angenommen, nur Hunderttausend der ueber 1,5 Mio Exilparaguayer kommen mit ein bisschen Kapital zurueck in ihre Heimat und fangen an, kleine Unternehmen zu gruenden... Das koennte einen nie dagewesenen Boom ausloesen.
Die makrooekonomischen Rahmenbedingungen sind so gut wie nie zuvor. Sollte es die Regierung hinbekommen, die Korruption wenigstens ein bisschen in den Griff zu bekommen, hat sie einen Haufen Geld zur Verfuegung. Ich will nur hoffen, dass die Linkspolitiker innerhalb der Koalition nicht soviel Gewicht bekommen, dass es die Wirtschaft abwuergt.

Gruss
Oli.
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Beitragvon dirndlfan » Montag 21. April 2008, 09:00

Das Wahlergebnis steht fest, Lino hats geschafft.

Was wird das für Folgen haben?

Erstens glaube ich, daß Lino gegen einzementierte Wirtschaftsstrukturen anfangs einen harten Stand haben wird. Der "rote Sturm" wird ihm nur so um die Ohren blasen. Bewerkstelligen wird er in den ersten Monaten gar nichts. Dazu sind noch zu viele Colorados an den Schaltstellen. Bis die Umfärbungsaktionen greifen, wird noch viel Wasser den Rio Paraguay hinunterfließen. Ob Großgrundbesitzer, Wirtschaftsunternehmer oder Politgünstlinge - alle werden den neuen Linken allerhand Knüppel zwischen die Beine werfen. Da wird vom Vernichten wichtiger Unterlagen über Ausgabe von Verhaltensregeln an die Parteifreunde bis zu Einschüchterungsversuchen alles aufgeboten werden, was die Abgabe der Macht verzögert.

Zweitens bin ich der Meinung, daß die Weltwirtschaft dem kleinen Land sowieso die Preise diktiert und da kann auch ein Oviedo so gut wie gar nichts ändern. Jeder Versuch, mehr Gewinn für das Land herauszuholen, wird von den Agrarkaisern sofort streng bestraft werden; sei es über die Korrektur von Produktionsabnahmevereinbarungen oder Auflagen, die die Produkte unattraktiv machen wie z.B. Genprodukt-Forcierung oder "empfohlener" Einsatz hochgiftiger Spritzmittel.

Drittens ist Paraguay weltpolitisch gesehen nach wie vor ein so uninteressantes Land, daß auch aufrechte, ehrliche Bemühungen der neuen Machthaber nur innerhalb der engen Landesgrenzen wirken können. Da kann man höchstens einige Gesetze modifizieren, aber mehr schon nicht.

Wir sehen es ja am Beispiel der Europäischen Union. Die hat jetzt die Macht und ihre Mitgliedsstaaten, besonders die kleineren, haben überhaupt keine Chance mehr, ihre eigenen Vorstellungen von Wirtschaft und Sozialpolitik durchzubringen. Weder wirtschaftliche Regulatoren wie Währungsparität und Zoll noch soziale Korrekturen wie Einwanderungsrestriktionen sind mehr durchführbar. Die Parlamente der einzelnen Länder haben keine Handlungsfreiheit mehr.

Es ist zu hoffen, daß sich der Machtwechsel in den nächsten Monaten einigermaßen ruhig vollzieht, daß die Auswechselung der Personen an den Schlüsselstellen friedlich von Statten geht und daß Lino den Spagat zwischen vollmundigen Versprechungen vor der Wahl und der ernüchternden Tatsachenpolitik in der Folge schafft.

Liebe Grüße, Maria
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Endlich Freiheit

Beitragvon parawer » Montag 21. April 2008, 09:18

Endlich geht es auch mit Paraguays Politik aufwerts, es ist schön das es auch noch gerechtigkeit gibt, wird zwar ein wenig tauern und hoffendlich schmeisst er als erster die soyabauern aus dem land, wenn ich ab Sept auch in diesem Land bin helfe ich Ihm gerne dabei
lg parawer
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